von Niko Budden
Es heißt, zur Weihnachtszeit befinden sich mehr Menschen in der Notaufnahme als zur sonstigen Zeit. Man könnte annehmen, dass mehr Leute angetrunken fahren oder bei Vorbereitungen von Leitern plumpsen, letztendlich sind es Menschen mit Gabeln in der Brust oder Gehacktem im Auge oder sonst was. Nicht, dass es bei uns noch nicht ausartete, aber generell reichen die medizinischen Kenntnisse aus, nicht die Notaufnahme aufsuchen zu müssen.
Weihnachten ist eben doch das Fest der Liebe. Zum einen sitzen sich Familienmitglieder gegenüber, die es sonst nicht täten, und zudem war früher eben doch mehr Lametta. Die Erwartungen an das Fest liegen auf einer Höhe, die keiner auch nur in der Lage ist zu erreichen. Perfektion da anzusetzen, wo Gemeinsamkeit herrschen sollte, ist eine typisch menschliche Eigenschaft. Das nennt man dann soziale Kompetenz.
Ich muss mit fast 20 Jahren, die ich schon auf dieser Erde weile, sagen, Weihnachten wird langweilig. Die Alten sterben weg, und irgendwie gibt es keine Überraschungen mehr, wartet man vor der Stube und zwingt das Mahl nur in sich hinein, um doch schnell die Bescherung hinter sich zu haben.
Bei uns läuft die Bescherung auch anders ab als bei anderen. Nach dem Essen betreten wir die Stube meiner Großeltern. Die Geschenke liegen nicht unter dem karg geschmückten Weihnachtsbaum, der selbst kläglich aussieht, und wie man schon vorher hören konnte, einen massiven Streit der alten Eheleute mit sich zog. Sie liegen auf dem Tisch, am Platz eines jeden, verdeckt unter einer großen weißen Tischdecke oder eines Bettlakens. Als ob meine Oma, die diesen Brauch aus Ostfriesland mit sich brachte, die Spannungslehre aus den Quizshows der Privatsender gelernt hätte, wird erst gesungen. Es ist jedes Jahr das gleiche Problem, nur langsam erarbeitet man sich die Texte der Strophen, sofern man die erste überhaupt ins Gedächtnis rufen konnte. Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum, hast du das verdient. Dann kommt die Decke weg, jeder starrt auf seinen Teller, frisst allerlei, packt aus und fertig ist’s.
Kurze Zeit später, um genau zu sein Silvester, trifft die Familie noch einmal zusammen, um aufgebaute Streitigkeiten noch einmal entfalten zu lassen. Es ist nicht so, dass ich mich oft und gerne mit meiner Mutter streite, nach Stunden des Wartens gibt es aber immer einige Meinungsverschiedenheiten. Wir haben es uns auch abgewöhnt, gemeinsam an einem Brettspiel teilzunehmen, das ging regelmäßig in die Hose. Nun werde ich Silvester in diesem Jahr wohl nicht mit meiner Familie verbringen. Ich weiß nicht. Irgendwie fehlt einem das Ritual schon.
Apropos, seid ihr diejenigen aus der Nachbarschaft, die eine Woche vor und nach Silvester rumknallen, was der Postkasten hält? Das nervt ein wenig, hört doch bitte auf. Und überhaupt, wie könnt ihr euch das leisten?
Aproposer, wie feiert ihr den heiligen Abend oder Silvester, gibt es da irgendwelche Rituale? Teilt sie mit uns!

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